“Easter Parade” von Richard Yates

Rating: 3.5

easter-paradeIch wollte schon seit längerer Zeit ein Buch von Richard Yates lesen und in der Bücherei hatten sie dieses Buch (amazon-Link) von ihm zufällig da.
Das Buch beginnt mit dem Satz: Keine der Grimes-Schwestern sollte im Leben glücklich werden. Dieser Satz bewahrheitet sich leider im Verlauf des Buches. Sarah und Emily wachsen in den 30ern des 19.Jahrhunderts auf. Ihre Eltern lassen sich früh scheiden und die Beiden leben fortan mit ihrer Mutter, Pookie genannt, zusammen und ziehen häufig um. Pookie ist alkoholabhängig und ständig auf der Suche nach etwas großem und richtigem. Oder wie sie es ausdrückt: Flair.  Sarah heiratet früh, bekommt drei Kinder und lebt mir ihrer Familie, scheinbar glücklich, in einem abgelegen Dorf. Emily ist die Erste in ihrer Familie, die ein Studium (Anglistik) abschließt. Sie wechselt häufig ihre Partner und findet, wie  Sarah, nirgends ihre wirkliche Erfüllung. Mit ihrer Karriere will es auch nicht so richtig klappen. Währenddessen vereinsamt Pookie immer mehr und landet nach einem Unfall in einem Pflegeheim. Dann erfährt Emily, dass in der Ehe von Sarah doch nicht alles so gut läuft,  wie es den Anschein hatte.
Das Buch ist so gut und flüssig geschrieben, dass man richtig in die Geschichte eintaucht und fast vergisst, dass man gerade liest. Ich hab das Buch an einem Stück durchgelesen und war tief beeindruckt davon, wie Richard Yates Dinge (z.B Lebenslügen, Einsamkeit) erkannt hat und sie zu porträtieren wusste. Und auch davon, wie er, als Mann, ein solches Buch über das (Innen-) Leben von Frauen schreiben konnte. Das Buch ist sehr ruhig und dabei schockierend.  Zum Beispiel in der Beschreibung davon, wie Familienbeziehungen sich nach und nach auflösen und wie sich die beiden Schwestern immer weniger um einander (an einer Stelle wird Emily`s Erleichterung darüber beschrieben, dass sie sich nun für mehrere Monate oder Jahre nicht mehr mit ihrer Schwester treffen muss, weil sie das ja kurz zuvor erst getan hatte) oder um ihre Mutter kümmern. Wie schon “Zeiten des Aufruhrs” ist dieses Buch ein Werk, welches einen unweigerlich zum Nachdenken bringt. Es bietet keine Lösungen an, zeigt aber, wie Sachen und Leben enden können, wenn man immer alles einfach nur hinnimmt.

Seiten: 296

Verlag: Btb (1. Dezember 2008)

ISBN-10: 3442738741


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